Home » Reiseblog » Zuhause im Gefühlschaos

Zuhause im Gefühlschaos

Veröffentlicht am 23. Juni 2021 um 00:14

„Hurra, heute sehe ich Oma und Lars wieder“ - mit diesem Freundenschrei begrüßte mich Jasper am 18.06. morgens um 7:30 Uhr. Heute geht es wieder nach Gehrden. In 4 Stunden sind wir Zuhause... in meinem Kopf herrscht Kirmes mit XL-Achterbahn. Freude, Trauer, Euphorie, Spannung, Kribbeln, ein wenig Angst, Unsicherheit - ein buntes Gefühlspotpourri.

Nach 11 Monaten geht es wieder nach Hause. Ingo fragte mich vor ein paar Tagen: „ Was wirst du Zuhause als erstes machen?“. Meine planlose Antwort: „Hände waschen.“ 

Nach fast 30.000 km, 15 Ländern und 334 Tagen fahren wir zurück zum Punkt, wo unsere abenteuerliche Reise am 20.07.2020 begann.

Nach einer kurzen und unruhigen Nacht und einer kalten Dusche haben wir das letzte mal unser Wohnwagenstartprogramm gefahren: Brote schmieren, Tee und Kaffee kochen, Sackmarkise einrollen, Klo leeren, allen Kram sicher verstauen und bloß nicht Kinder und/oder Hund vergessen.

Ich bin gefahren. Das war auch ganz gut, weil ich mich so ganz gut ablenken konnte. 

A2 - die Abfahrt Barsinghausen ist in Sicht. Die Spannung steigt. Sätze wie „Ahh, da hinten ist der „Schafstall“, wo ihr euren 10. Hochzeitstag hattet“ und „Das Haus stand aber letztes Jahr noch nicht hier“ waren zu hören. B 65 - Nordgoltern - Göxe - Ditterke... wir waren wieder in Gehrden. An der Ampel OBS/Delfi-Bad hat Lenni eine alte Klassenfreundin gesehen und rief ihren Namen aus dem Autofenster. Sie winkte erst lässig und erkannte dann Lenni. „Heeeehhhhh Lenni - das ist ja Lenniiiii!“.

Ab der Kurve in unsere Straße gab es für die kids kein Halten mehr. Abschnallen, rausspringen, runter zu Oma in ihre Souterrain-Wohnung und ihr glücklich um den Hals fallen - ach, war das schön! 

Das Haus ist riesig und wirkt fremd und unglaublich sauber und ordentlich. Der Garten ist noch riesiger, satt grün und in voller Blüte. Alles wirkt wie durch ein Brennglas verstärkt. Die Farben, die Gerüche, die Größe. Jasper fragte nach ein paar Minuten: „Hatten wir schon immer ein eckiges Klo?“. So hat jeder seine eigenen Neuentdeckungen. Die Kids stürmten ihre Zimmer und kramten alles „alte neue“ Spielzeug raus. „Mama guck mal, was ich wiedergefunden habe“, „Ich wusste gar nicht, dass ich das hier noch hatte“ und „Wie habe ich das hier vermisst!“ waren aus den Zimmern zu hören.

Bei aller Freunde und Euphorie mussten wir - da wir aus Risikogebieten kamen - in häuslicher Quarantäne bleiben.

Wir hatten uns allerdings für nachmittags schon einen PCR-Testtermin in Hannover gebucht, damit wir aus der Quarantäne früher rauskommen. Also testen und warten.

Auf unserem letzten Campingplatz in der Nähe von Enschede

Den Nachmittag/Abend haben wir mit Wäsche waschen, kramen und über den Zaun unsere lieben Nachbarn begrüßen, Tee trinken und ganz viel ungläubigen Kopfschütteln verbracht... unfassbar, wir sind wieder Zuhause. Ich weiß, dass wir nicht irgendwo in der Antarktis mit Pinguinen eingeschneit waren oder wir uns einsam mit einer Machete den Weg durch den Dschungel kämpfen mussten... aber nach so einer langen Zeit wieder „back home“ zu sein... krasses Gefühl. Eine Mischung aus totaler Klarheit und vollkommen im „hier und jetzt“ sein und haufenweise Watte im Kopf. Wo waren die Gläser noch mal... ah, falsche Schublade. Ach cool, wie praktisch, dass wir bei schwülen 34 Grad einen zweiten Kühlschrank haben. Weiß jemand das WLAN-Passwort noch? 

Elmo lief die ganze Zeit wie Falschgeld um uns herum und ließ uns keine Sekunde aus den Augen.

Back home - ist schon schön hier

Als wir das negative Testergebnis und die offizielle Erlaubnis hatten das Haus zu verlassen, habe ich Jasper gleich zu Lars und Lenni zu Björn und Finn gefahren. Die Freunde von Jasper SEINEN Lars wiederzusehen, war einfach so wunderschön! Die beiden haben eine ganz besondere Freundschaft. Natürlich hat er auch gleich die Nacht da geschlafen und war sooo glücklich!

Und ich war total glücklich, als ich am Montag „meine ladies“ endlich wiederhatte! Meine Freundin Anna, ihr Mann Robert und ihre Töchter haben sich wunderbar um unsere Damen gekümmert. Ich weiß, dass Hühner vielleicht nicht die hellsten Lichter auf Gottes Torte sind, aber ich liebe meine Mädels! Und jetzt sind sie wieder bei uns. Die Ecke mit dem Außengehege wurde extra 11 Monate nicht gemäht und die sechs Damen waren hin und weg von so vielen Gräsern, Laub und leckeren Insekten.

Und so schließt sich der Kreis... von Gehrden nach Gehrden... die  „Bunte Tüte“ gibt´s jetzt wieder MIT Huhn.

„Und wie geht´s jetzt weiter?“... diese Frage wird uns in den letzten Tagen sehr oft gestellt - auch von uns selber. Die Welt ist groß und schön. Bunt und spannend. Es gibt noch so viel zu entdecken. Wir werden uns hoffentlich von unseren Herzen leiten lassen, den Kopf dabei aber nicht ganz ausschalten und das beste für unsere „Schafherde“ finden. 

Ich habe Ingo zum Geburtstag einen „Zuhause-Stein“ geschenkt. Dort, wo dieser Stein liegt, ist unser Zuhause. Jetzt liegt er in Gehrden. Mal schauen, wo er in 6 Monaten, in 5 oder 12 Jahren liegt. Die Welt gehört den Mutigen.


« 

Kommentar hinzufügen

Kommentare

Es gibt noch keine Kommentare.